Reisebericht Teil 4 - Weihnachten

27Dez2016

Reisebericht 4. Teil

 

26.12.2016

 

Teil 4:

 

Fröhliche Weihnachten aus Piéla! Es ist der 2. Weihnachtstag und da heute Sonntag ist, arbeiten auch heute die meisten Menschen nicht. Gestern waren über den ganzen Tag verteilt viele Gäste da. Hier ist Weihnachten vor allem ein Fest des Besuchs und gemeinsamen Beisammenseins. Die Leute sind alle sehr fröhlich und freuen sich total, wenn man auch fröhliche Weihnachten auf Gurmantché wünschen kann. Natürlich wohnen auch einige Muslime in Piéla, aber obwohl diese ja kein Weihnachtsfest feiern, besuchen sie sich doch ebenfalls viel an Weihnachten. Der 1. Weihnachtstag begann mit dem Besuch der Messe. Es sind insgesamt über 400 Leute gekommen, viele aus weit entfernten Dörfern. Die Zeremonie wurde von viel Gesang und ein paar Tänzen begleitet. Außerdem sind in der Messfeier 30 Kinder getauft worden!

 

Nach der Messfeier habe ich geholfen das Essen für die Gäste vorzubereiten. Ich habe mich sehr amüsiert, als Cesars große Tochter Karin sich wunderte, dass ich als junger Mann beim Gemüseschneiden helfe. Sie erzählte mir, dass es auf den Dörfern nicht üblich ist, dass die Männer beim Kochen helfen. Wir haben für die Gäste und uns insgesamt 21 Hühner ausgenommen und gebraten, dazu wurde salziges Popcorn, Krabbenchips und kleine Teigbällchen gereicht. Für die Familie gab es dazu noch Hühnersuppe mit Couscous und Salat. In den Städten gibt es die Tradition, zu Weihnachten Geschenke an die Kinder zu geben. In den Dörfern ist es jedoch nicht üblich. Am Weihnachtsmorgen habe auch ich ein paar kleine Geschenke an Cesar und seine Familie verteilt. Das war natürlich sowohl für die Familie, als auch für mich eine große Freude. Den heutigen Tag haben wir hauptsächlich mit dem Reparieren des Toilettenabzugs verbracht. Zumindest haben wir es versucht, sehr weit sind wir leider nicht gekommen. Damit haben wir die Woche gemütlich ausklingen lassen.

Zu Beginn der Woche haben wir abermals mehrere Brunnen besucht und dabei die vom Bau übrig gebliebenen Zementsäcke in unser kleines Lagerhaus gefahren. Am 22. Dezember war der letzte Schul- und Kindergartentag, daher habe ich Jemael (den kleinen Sohn von Cesar) zum Abschlusstag in den Kindergarten begleitet. Auf dem Bild kann man sehen, dass für diesen Tag die Kinder sehr schön gekleidet waren. Im Anschluss habe ich noch einmal mit Matthias und seinem Motorrad Patenkinder besucht. Die Kinder freuen sich immer sehr, wenn ich ein Seifenblasenspiel mitbringe. Auch wenn wir nur kurz die Familie besuchen und ich gemeinsam mit dem Patenkind die Fragen auf meinem Notizblatt ausfülle (Name, Wohnort, Name und Wohnort Eltern, Geburtsdatum, Schule und Klasse, Größe, Geschwister, weitere Familienmitglieder, evt. Berufswunsch) schenken uns die Familienväter immer wieder Hühner oder Erdnüsse. Der folgende Tag war ganz für die Hochzeit von Angelines Bruder Fidel reserviert. Schon früh am Morgen habe ich mich zusammen mit Angeline und Tony auf dem Moped in das etwa 50 km entfernte Bilanga-Yanga aufgemacht. Cesar war an diesem Tag in Fada und konnte daher leider nicht dabei sein. Es war schon eine sehr abenteuerliche Reise über die Piste bis in das Dorf der Braut. Die Familie von Fatimata ist muslimisch, daher wurde die Zeremonie ganz in der muslimischen Tradition abgehalten. Nach der Beendigung der Zeremonie gab es ein kurzes gemeinsames Essen und dann ging es schon gleich wieder zurück nach Piéla zur Standesamtlichen Trauung. Zu unserem Glück wurden Angeline und ich auf der Rückfahrt im Auto weiterer Gäste mitgenommen. Wieder in Piéla konnte ich hautnah miterleben, wie aufwendig der Braut für die Hochzeit die Haare drapiert wurden. Dann ging es schon ins Rathaus zur Trauung. Als das Brautpaar den kleinen Rathaussaal betrat war es ganz still. Doch als der Bürgermeister mit dem Vorlesen des Ehevertrages begann, wurde die Stimmung ausgelassen und alle warteten in gespannter Erwartung. Es war sehr lustig, als auf einmal alle Frauen bei der Frage „Ist Lankoandé Fidel anwesend?“ in der hier üblichen afrikanischer Art anfingen zu schreien und zu kreischen. In dieser heiteren Atmosphäre ging es dann weiter zum Unterschreiben des Ehevertrages und schließlich zum Ringaufstecken. Den Schluss bildete der Kuss des Brautpaares, der natürlich von allen Seiten mit Applaus und Kreischern aufgenommen wurde. Für mich war es wirklich ein tolles Erlebnis, so nah eine Hochzeit hier miterleben zu können. Vom Bräutigam Fidel wurde ich mit meiner Kamera gleich als 2. Fotograf engagiert, weswegen ich das Brautpaar ganz nah begleiten konnte. Nach einem Foto mit dem Bürgermeister und weiteren Fotos mit der Familie haben wir uns zum gemeinsamen Hochzeitsessen in ein vorbereitetes Festzelt aufgemacht. Ich durfte mit am Familientisch essen, dahinter auf den Stühlen aßen die anderen Hochzeitsgäste. Was für mich neu war, dass der gesamte Ablauf nicht vom Brautpaar oder der Familie, sondern von jemand anderem geleitet wurde. So kümmerte er sich um die Verteilung der Esstafeln durch eine Reihe von Helfern. Noch während das Brautpaar am Essen war, ließ er sie plötzlich aufstehen, um den Hochzeitskuchen anzuschneiden oder ein traditionelles Foto machen. Das Essen dauerte nicht lange und noch ehe ich ganz zuende gegessen hatte, waren fast alle Gäste schon gegangen. Später am Abend sind Cesar und ich dann noch einmal Fidel und Fatimata besuchen gefahren.

 

Leider kann ich dieses Mal keine Bilder hochladen, da wir keine Internetverbindung mit unserm kleinen Laptop mehr herstellen können. Ich hoffe, dass Uli uns bei seiner Ankunft helfen kann, das Problem zu lösen. Wir freuen uns schon sehr auf seine Ankunft am 2. Januar und wünschen ihm einen guten Flug!

 

Viele Grüße!

 

Lorenzo