Reisebericht Teil 3

18Dez2016

 

Reisebericht

 

17.12.2016

Teil 3:

 

Hallo! Endlich melde ich mich wieder mit Neuigkeiten aus Piéla! Leider war ich die ganze Woche krank, wieso sich mein nächster Blogeintrag etwas verschoben hat.

Den Rest der Woche, in dem mein letzter Blogeintrag endete, habe ich mit Cesar einen Trinkwasserbrunnen, das Mädchenwohnheim Torima und das Lycée de Piéla besucht. Im Lycée de Piéla habe wir uns gemeinsam mit dem Schulleiter, 4 Lehrern und dem 10 köpfigen Schülerkomitee getroffen und nach einer gegenseitigen Vorstellung kurz die Arbeit der Cuo Fi angesprochen. Das Lycée de Piéla ist die Partnerschule vom St. Michael-Gymnasium Bad Münstereifel. Eine gute Hilfe für das Lycée ist der jährlich am Michael-Gymnasium stattfindende Piéla-Lauf, an den ich mich auch noch aus meiner Schulzeit erinnere. Noch kurz vor meiner Reise nach Burkina Faso habe ich zufällig meinen alten Sport- und Biolehrer Herrn Weiler getroffen, der mir erzählte, dass beim diesjährigen Piéla-Lauf wieder über 1000 Euro zusammen gekommen sind.

Die folgende zweite Dezemberwoche habe ich die ganze Woche im Lycée verbracht und den Deutschunterricht von Herrn Sawadogo begleitet. Herr Sawadogo ist mit 29 Jahren einer der jüngsten Lehrer im Lycée. Nach seinem Abitur hat er 3 Jahre Germanistik in der Hauptstadt studiert und anschließend eine 1-jährige Referendarzeit absolviert. Er ist am Lycée der einzige Deutschlehrer und unterrichtet 29 Stunden in der Woche. Am Lycée de Piéla kann man Deutsch ab der Oberstufe in den drei Jahren bis zum Abitur belegen. Nur in Privatschulen gibt es die Möglichkeit, Deutsch schon ab der 9. Klasse zu lernen. In Piéla gibt es übrigens sechs private und zwei staatliche Lycées.
Den Deutschunterricht zu begleiten hat mir viel Spaß gemacht. Herr Sawadogo ist ein total motivierter Lehrer und mir gefällt sein Unterrichtsstil sehr gut. Allerdings ist es bei 60 Schülern in einer Klasse einfach nicht möglich, sich dem Lernfortschritt der einzelnen Schüler anzupassen. Daher können einige Schüler gut dem Stoff folgen, während Andere teilweise starke Verständnisschwierigkeiten haben.

Am Lycée ist ein Jahr in 3 Blöcke geteilt. In jedem der Blöcke schreiben die Schüler in jedem Fach 2 Klausuren. Die Gesamtnote am Ende eines Blockes setzt sich hauptsächlich aus den Klausurnoten zusammen. Wer sich im Unterricht gut beteiligt, kann zusätzlich Pluspunkte gewinnen.

In drei Unterrichtsstunden durfte ich einmal den Unterricht in zwei Klassen geben. Zweimal in der Abiturklasse und einmal in der Klasse, die gerade erst mit Deutsch begonnen hat. Ich habe die Schüler Deutschtexte aus dem Deutschbuch lesen und übersetzen lassen. Anschließend haben die Schüler Fragen zu dem Text beantwortet und an die Tafel geschrieben. Meist musste ich die Sätze noch einmal korrigieren. Aber es war wirklich schön. Die Schüler haben sich sehr gefreut, als ich selber die Texte vorgelesen habe und als wir zusammen 'Alles Gute zum Geburtstag' gesungen haben. Ich habe festgestellt, dass die Schüler hier sehr gerne gemeinsam singen.

Ich denke, dass ich vielleicht noch einmal eine Woche das Lycée besuchen werde, um auch den Englisch und Mathematikunterricht zu begleiten. Während der Woche habe ich auch schon den ebenfalls sehr netten jungen Englischlehrer, Herrn Kouda kennengelernt. Er hat Cesar und mich am Samstag auf einen Ausflug in das über 3 Autofahrstunden entfernte Zegedega begleitet, um ein alle 3 Jahre stattfindendes Fest mehrerer Dörfer anzuschauen. Und es hat sich wirklich gelohnt! Ich habe mir zwar wohl durch die Klimaanlage des Autos eine Erkältung eingefangen, die mich noch die ganze nächste Woche begleitet hat. Aber das Schauspiel hätte ich nicht missen wollen.

Das Fest war der Höhepunktes einer 3-tägigen Feier, die zu Ehren des Dorfoberhauptes direkt vor seinen Hütten stattfand. Neben der Hauswand des Dorfoberhauptes steht ein halbrunder Steinhügel, der schon seit mehreren Generationen markiert, dass hier ein Oberhaupt von mehreren Dörfern wohnt. Das an diesem Tag von Mittag bis in die Nacht andauernde Fest bestand aus dem Auftreten der 'Männer mit den Masken'. Die Maskenmänner sind eine geschlossene Gruppe von Männern, die aus mehreren Dörfern zusammenkommen und bei großen Veranstaltungen wie diesem oder bei Beerdigungen auftreten. Niemand weiß, wer sich unter den Masken und den Kostümen befindet, die vollständig aus den Ästen eines bestimmten Baumes gefertigt sind. Es ist Tradition, dass die Maskenmänner immer wieder durch die Menschenmenge laufen und mit Stöcken die Leute hauen, die nicht zu ihnen gehören. Die meisten Kinder haben Angst vor den Maskenmännern und wenn sich einer nähert, laufen alle schnell weg. Auch der Englischlehrer, der aus diesem Dorf stammt, erzählte mir, dass er als Kind große Angst vor den Maskenmännern hatte. Für die Erwachsenen ist das ein großer Spaß, aber auch sie haben Respekt vor den Maskenmännern. Ich merke, dass Tradition hier eine große Rolle spielt.
Als ich mit dem Englischlehrer zwei seiner Onkel besuche, treffen wir auf eine Gruppe von 4 Maskenmännern und einem Führer. Sie erlauben mir Fotos von ihnen zu machen und ich darf sogar ein Bild mit ihnen machen. Allerdings muss ich dafür auch einen kleinen Schlag bekommen. Das Foto könnt ihr unten sehen. Bis zum Nachmittag kommen immer wieder ein paar Maskenmänner, die sich zu den anderen vor die Hütten des Dorfoberhauptes gesellen. Davor hat die Menschenmenge einen großen Kreis gebildet, in dem bis zu acht Leute Trommeln spielen und immer wieder Maskenmänner unter den traditionellen Schreien der Frauen tanzen. Dabei lassen sich die Männer manchmal quasi aus dem Stand fallen, worauf sie auf dem Boden sitzen bleiben und irgendwann plötzlich wieder auf springen. Ich hoffe, die Fotos können einen kleinen Eindruck von dem Spektakel vermitteln. Einmal kommt mir ein Maskenmann auch sehr nahe. Doch statt einem Schlag wird mir nur die Kappe vom Kopf gestreift, die mir sofort von mehreren Händen wieder gereicht wird. Ein anerkennendes Nicken mehrerer Männer sagt mir, dass ich gut reagiert habe. An dieses besondere Fest werde ich mich noch lange erinnern.

Den nächsten Tag verbringe ich wegen einer Erkältung lieber zuhause und auch die folgenden Tage verlasse ich das Haus nicht.

Heute ging es mir aber schon wieder besser, sodass ich mit Cesar und Angeline in die Messe gehen konnte, die zum 25-jährigen Jubiläum eines Priesters abgehalten wurde. Für die Messe sind die Bänke und der Altar vor der Kirche aufgebaut worden, da nicht alle Leute in die Kirche gepasst hätten. Zur Messe ist extra der Bischof von der Provinz gekommen, weswegen auch viele Priester und entsprechend viele Menschen da waren. Auch Abbé Pièrre war da. Die Messe hat 3 Stunden gedauert und im Anschluss gab es ein gemeinsames Essen für einige geladene Gäste auf dem Gelände des Klosters.

Das war es erstmal mit den Neuigkeiten.

Viele Grüße aus Piéla!

 

Das Lehrerkollegium des Lycée de Piéla Noch ein Bild vom Lehrerkollegium mit mirEine der beiden Terminal-Deutschklassen von Herrn SawadogoPosieren für ein gemeinsames FotoDas Fest in ZegedegaBewegung in der Menschenmenge - ein MaskenmannBegrüßung zweier MaskenmännerEin kurzes Ausharren während eines TanzesRhythmische Aufforderung zum TanzenEin Moment voller BewegungDie MessfeierFrauen in traditionellen GewändernDer Auszug der PriesterVerteilung von ReisFleischtafel