Reisebericht die Zweite

30Nov2016

 

Reisebericht

 

30.11.2016

Teil 2:

 

Am heutigen Tag sind wieder 8 Tage seit meinem letzten Bericht vergangen – und ich kann wieder einiges Neues berichten!

Den Brunnenbesuch am letzten Dienstag mussten wir auf den Abend verschieben, da Cesar bei seiner Arbeit viel zu tun hatte. Am nächsten Tag hat mich Cesar zu der Schule Piéla A gefahren. Der Schuleiter ist sehr nett und hat mir nach einer herzlichen Begrüßung durch eine Schulklasse in seinem Büro seine tägliche Arbeit erklärt. Anschließend bin in eine der Klassen gegangen und habe mir eine Unterrichtsstunde angehört. Den Unterricht hat sich ein Lehrer mit einem Referendar geteilt. Außerdem saßen zwei weitere Referendarinnen, zeitweise mit Baby auf dem Arm, im hinteren Teil des Klassenraumes. Während des Unterrichts sind die Referendarinnen dann beim Leseunterricht durch die Reihen gegangen und haben Schülern geholfen dem Gehörten zu folgen und haben Ermahnungen ausgesprochen. Während meiner Schulbesuche habe ich leider auch ein paar Mal gesehen, wie ein Lehrer einem Schüler mit der Hand oder einem kleinen Ast ein Klaps auf den Hinterkopf gegeben hat. Allerdings ist das Schlagen der Schüler auch hier streng verboten. In der Unterrichtsstunde, die ich an dem Tag besuchte, wurden Texte auf französisch gelesen und anschließend wurde gerechnet. Am Nachmittag bin ich zusammen mit Matthias auf seinem Motorrad durch Piéla gefahren und wir haben Patenkinder besucht.

Auch am nächsten Tag bin ich zur Schule Piéla A gefahren und habe im Anschluss wieder mit Matthias und diesmal auch mit Etienne Patenkinder besucht. Cesar war für 2 Tage in das 160 km entfernte Fada gefahren, um sich dort mit Vertretern der GIZ zu treffen, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Am Freitag bin zur Schule Piéla C gefahren. Dort habe ich mir drei Unterrichtsstunden angeguckt. Die Schule beginnt um 7:15 und geht geht mit zwei größeren Pausen bis 16:00 Uhr. Wie die Schule Piéla A ist die Schule Piéla C eine École Primare, die mit einer Grundschule in Deutschland mit sechs Stufen vergleichbar ist. Schaffen die Schüler den Abschluss, können sie das College besuchen, dass sich aus vier Stufen zusammensetzt. Zum erfolgreichen Abschluss schreiben die Schüler das BPC Examen. Durch das Erreichen einer bestimmten Punktzahl können sie die noch notwendigen drei Stufen bis zum Abitur absolvieren. Damit geht die Schulzeit über insgesamt 13 Jahre, wenn man keine Stufe wiederholen muss. Nach dem Abitur müssen die jungen Leute zum studieren in eine der großen Städte fahren. Allerdings ist die Fächerauswahl der Universitäten wesentlich kleiner als bei uns. Die meisten Studenten wählen als Fächer Medizin, Lehramt, Jura oder Agrarwissenschaften. Viele junge Leute wählen auch eine Ausbildung, beispielsweise bei der Polizei.

Am Freitag Abend sind wir zu einem Schulgelände in der Nähe des Rathauses gefahren, um bei den Vorbereitungen für das morgige Fest zu helfen. Der Anlass des Festes ist die offizielle Einweihung des neuen Bürgermeisters von Piéla. Als Gäste sind auch einige hochrangige Minister von Burkina Faso eingeladen. Wie wir am nächsten Tag sehen können, ist auch das Fernsehen vertreten, das in den nationalen Nachrichten einen Bericht zu dem Fest ausstrahlt. Am Morgen sind wir also direkt nach dem Frühstück auf das Festgelände gefahren, da der Beginn auf 9 Uhr angesetzt ist. Als es zwei Stunden später dann wirklich losgeht, ist das Gelände voller Menschen, die um einen großen Platz sitzen oder stehen. In der Mitte des Platzes ist ein kleines Rednerpult aufgebaut. Ich sitze zwei Reihen hinter Cesar in dem großen Zelt, in dem auch die Minister sitzen. Das Programm besteht auf verschiedenen Reden, von denen auch Cesar eine hält. Zwischen den Reden gibt es immer wieder Auftritte von kleineren Musikgruppen. Meist bestehen die Gruppen aus 4 bis 5 Instrumentenspielern und einem Sänger oder einer Sängerin. Hier ist es Tradition, dem Sänger während des Auftritts Geldscheine zu geben oder ihn sogar regelrecht damit zu bewerfen. Gab jemand sehr viel Geld war das Ganze von Jubelrufen aus der Menge begleitet. Da die wenigsten Gruppen wieder aufhören wollten zu spielen, gingen die Spieler nicht selten erst wieder, als ihre Mikros stumm gestellt wurden. Das war schon wirklich ein Spektakel. Welche Showeinlage mir und den Zuschauern jedoch am besten gefallen hatte, war der Auftritt einer sehr traditionell gekleidete Tanzgruppe aus der nicht weit entfernten Stadt Zorgo. Den Abschluss des Festes bildete das Überreichen des Bürgermeistergürtels an den neuen Bürgermeister von Piéla. Direkt im Anschluss des Fests ging es zum gemeinsames Essen in ein entferntes Festzelt. Das Essen war für alle kostenlos, aber es gab scharfe Kontrollen am Eingang, damit keine Kinder und nicht zu viele Leute reinkamen. Das Essen war traditionell und schmeckte sehr gut. Es war aber wirklich etwas Neues, gleich ganze Badewannen mit Reis- oder Hirsegerichten gekocht zu sehen.

 

Am darauffolgenden Sonntag ging es dann überraschenderweise schon zum nächsten Fest. In der Schule von Kouri wurden an diesem Tag die besten Schüler des Jahres geehrt. Die Feier war ganz ähnlich wie das gestrige Fest, nur im Kleinformat. Es gab ebenfalls Reden, die von Musikgruppen begleitet waren. Außerdem bekamen die besten Schüler Geschenke überreicht. Leider war die Tonanlage in einem noch schlechteren Zustand als beim letzten Fest und es mussten immer wieder die Mikros gewechselt werden. Wenn ich wieder in Deutschland bin, will ich auf jeden Fall mal schauen, ob ich nicht irgendwo ein paar Mikros organisiert bekomme. Der neue Bürgermeister war auch anwesend und bei seiner Vorstellung der Gäste ließ er netterweise auch mich nicht aus. Für mich vollkommen Neu war die Begleitung des Festes von der Bürgerwehr, die in vielen Dörfern zum Schutz der Menschen vertreten ist und während des Festes mit Gewehren über den Platz patrouillierte. Auch bei dieser Feier gab es direkt im Anschluss wieder ein gemeinsames Essen. Dieses dauerte jedoch nicht lange und bald darauf verließen alle wieder den Platz. Am Ausgang standen, wie schon beim letzten Essen, eine Gruppe von Frauen und Kindern. Ich vermute, dass sie in der Hoffnung warteten, noch etwas von dem Essen zu bekommen.

Den Montag habe ich fast den ganzen Tag auf dem Feld von Matthias verbracht, um ihm bei der Erdnussernte zu helfen. Ich fand es sehr schön, einmal wirklich mit den Leuten vor Ort zu arbeiten. Matthias zeigte mir auch sein Hirsefeld, auf dem er arbeitet, seit sein Vater kurz nach seinem 15sten Geburtstag starb. Den Großteil der Arbeit an diesem Tag bestand darin, sich auf den Boden setzen und die Erdnüsse von den bereits aus der Erde geschlagenen Pflanzen zu lösen. An sich war das nicht besonders anstrengend, allerdings ist es doch etwas anderes, im 40° heißen Sonnenschein zu arbeiten. Bei der Gelegenheit bin ich auch mit einem guten Sonnenbrand wieder nach Hause gefahren. An diesem Abend wurde ich dann zum farbigen Mann erklärt.

Der gestrige Tag habe ich wieder geschrieben und den Markt von Piéla besucht. Am Abend haben wir das Mädchenwohnheim besucht, um kurz mit den Schülerinnen dort zu sprechen und zwei Kanister Öl für die Küche mitzubringen.

Heute morgen mussten wir den Besuch beim Präfekten kurzfristig verschieben, da durch ein Unglück die Küche der Schule Piéla A in der letzten Nacht bis auf die Mauern abgebrannt ist. Wir müssen die nächsten Tage schauen, was wir da jetzt machen können. Später am Vormittag besuchten wir dann den Präfekten und danach ging ich auf dem Markt um mit Matthias Hilfe eine Hose von mir zu reparieren und im Anschluss etwas einzukaufen. Am Abend fuhr ich mit Cesar zu einem Treffen mit dem Direktor des Lycée de Piéla, das sich als eine Sitzung mit mehreren Lehrern und einem Schulkomitee herausstellte. Wie nach so einem Treffen üblich, wurden wir im Anschluss in ein Bistro eingeladen und konnten uns erst nach der gemeinsam gegessenen Hühnersuppe wieder loseisen.

Für diese Woche noch geplant sind ein Besuch beim Bürgermeister und die Begleitung einer Deutschstunde im Lycée de Piéla. Darauf freue ich mich wirklich.

 

Viele herzliche Grüße nach Deutschland!

 

Schulbesuch in Piéla C  Tanzgruppe Warba de Zorgo auf dem Fest Fest des Bürgermeisters Schulfest in Kouri Eine Trommelgruppe mit zwei Tänzern auf dem Schulfest von KouriErdnussernte Ein schöner Abend mit Cesar, seiner Familie und Matthias