Meine Ankunft in Piéla und die Ersten Eindrücke

22Nov2016

 

Reisebericht - Teil 1

 

22.11.2016

 

Am heutigen Montag wohne ich nun schon seit über 2 Wochen bei Cesar und seiner wunderbaren Familie in Piéla. Dass ich mich erst jetzt melde tut mir sehr leid, aber wir hatten (und haben immer noch) Probleme mit der Internetverbindung. Vor nun schon genau 19 Tagen bin ich am 03.11.16 um 16:30 gut in der Landeshauptstadt Ouagadougou gelandet! Neben einer enormen Welle an Hitze waren es Cesar und die Cuo Fi Mitglieder Matthias und Etienne, die mich am Ausgang des kleinen Flughafens herzlich empfingen. Zusammen sind wir erst einmal in unsere Herberge gefahren. Auf der Fahrt konnte ich ein ersten Eindruck von dem Land und den Menschen gewinnen. Ich hatte mir zwar fest vorgenommen, schon vom kleinen Fester des Flugzeuges möglichst viel zu beobachten, aber auf der Höhe von Mali muss ich wohl eingeschlafen sein – denn als ich aufwachte waren wir schon am Boden und ich musste mich damit zufriedengeben, eine möglicherweise spektakuläre Landung verpasst zu haben. Die Autofahrt durch die Straßen von Ouagadougou verlief problemlos. Allerdings sorgten das bunte Treiben an den Straßenrändern und das Durcheinander an Autos, Mopeds, Motorrädern und Fahrrädern auf den teilweise sehr alten Straßen für einiges Staunen meinerseits und damit zur Belustigung meiner Begleiter. Nach einer kurzen Rast in unserer Herberge haben wir den Abend in einem kleinen Restaurant ruhig ausklingen lassen, dass auch schon Uli bei seiner letzten Reise besucht hatte.
Für den nächsten Tag stand gleich um 10 Uhr der Besuch bei der deutschen Botschaft an. Leider war der deutsche Botschafter verhindert, daher habe ich mich mit einem burkinischen Vertreter getroffen. Er war sehr nett und ich habe ihm kurz die Pläne für meinen 3-monatigen Aufenthalt in Piéla beschrieben. Direkt im Anschluss des kurzen Treffens bin ich zusammen mit Cesar, Matthias und Etienne zu der afrikanischen Kunstmesse SIA gefahren, die zufälligerweise noch wenige Tage geöffnet hatte. Es war sehr schön, gleich zu Beginn meines Aufenthaltes die Gelegenheit zu haben, Kunstobjekte, Kleidung und Spezialitäten aus verschiedenen Regionen Afrikas sehen zu können. Im Anschluss sind wir erneut im bekannten Restaurant eingekehrt, bei dem es an diesem Abend zufälligerweise von einer kleinen Gruppe gespielte Livemusik gab.
Am nächsten Tag stand nach einem kurzen französischen Frühstück der Einkauf im Supermarkt an. Ausgestattet mit 2 Einkaufswagen sind wir die Regalreihen abgeklappert und haben alles eingeladen, von dem wir uns gedacht haben, dass es wichtig sein könnte und für mindestens 2 Monate reichen würde. Wir haben schließlich ca. 100.000 CFA bezahlt, was umgerechnet etwa 150 Euro sind. Die meisten Produkte des Supermarktes sind aus Europa, aber die Preise sind etwas höher als in Deutschland. Ich habe später festgestellt, dass viele Sachen, von denen ich einen deutlich geringeren Preis als in Europa erwartet hätte, fast ebenso teuer wie in Deutschland sind. So kosten Schulutensilien und Büromaterial teilweise sogar mehr als bei uns. Im Anschluss des Einkaufs sind wir zu einem Cousin und zu einem Freund von Cesar gefahren, wo Cesar eine Matratze für mich und ein Sofa für sich und seine Familie gekauft hat. Bei Unserer Herberge haben wir schließlich die Einkäufe, die Matratze, das 4-Teilige Sofa und meine beiden Koffer in und – vor allem auf – das Auto geladen. Gegen Mittag haben wir uns dann mit vielen Spannseilen um das Auto auf die Reise nach Piéla gemacht. Wie Uli in seinem Reisebericht schon beschrieben hatte, ist die Piste nach Piéla voller Schlaglöcher und wir haben für die 240 km schließlich 6 Stunden gebraucht. Ich habe die Fahrt jedoch in schöner Erinnerung, da sich viele Menschen gefreut haben, als wir vorbeigefahren sind und ich viel von der Landschaft sehen konnte. Jetzt im November sieht man noch einige grüne Bäume und Büsche. Da die Regenzeit jedoch im September endet, ist es, abgesehen von wenigen Seen, in der Region um Piéla sehr trocken und überall ist der rötlichen Sand, der einem schnell in die Kleidung zieht. Ich hoffe ich schaffe es, ein paar Bilder dazu hochzuladen. Auf etwa der Hälfte der Strecke legten wir eine kurze Rast bei dem Bistro eines Freundes von Cesar ein. An diesem Tag habe ich zum ersten Mal Hahn gegessen. Es schmeckte sehr gut, allerdings habe ich aus Vorsicht vor dem ungewohnten Essen die Füße und den Kopf des Hahns ausgelassen. Um halb 10 sind wir schließlich in Piéla beim Haus von Cesar angekommen. Wir wurden sofort stürmisch begrüßt und ich konnte endlich Cesars Frau Angeline und drei seiner vier Kinder kennenlernen: Die 7-jährige Wendy (Wend-Yam), den 4-jährigen Arthur (Jemael Arthur)und den erst 2-monate alten Tony (Tony Benito). Nach einem gemeinsamen Abendessen mit Matthias und Etienne konnte ich schließlich glücklich die erste Nacht in meinem neuen Zuhause verbringen. Den nächsten Tag haben wir schließlich ganz der Gemütlichkeit gewidmet und im Haus verbracht. Es kamen an diesem Tag gleich mehrere Freunde von Cesar und seiner Familie zu Besuch und ich sollte auch im Laufe der kommenden Woche feststellen, dass spontaner Besuch keinesfalls ein seltenes Vorkommen, sondern alltäglich im Hause Beogo ist. Die neue Woche haben wir mit einem Besuch der Schuldirektoren der Schulen Piéla A, Piéla C, Piéla E und dem Lycée de Piéla begonnen. Am Abend habe ich zum ersten Mal alle Mitglieder der Cuo Fi kennenlernen können. Sie haben für meine Ankunft eine Sondersitzung abgehalten, in der sie mich feierlich willkommen hießen und in der wir die Pläne für die nächsten 2 Wochen machten. Allerdings haben wir später immer wieder Termine verschieben oder tauschen müssen. Schon den nächsten Tag haben wir kurzfristig umgeplant, um zusammen mit dem Schulinspektor und Schulpädagogen von Piéla zu der Familie eines Mädchens zu fahren und dem Familienvater zu erklären, dass seine Tochter im Mädchenwohnheim am besten aufgehoben ist. Ich habe schnell gemerkt, dass hier Afrika Zeit eine andere Rolle spielt und das miteinander Sprechen für die Menschen sehr wichtig ist. Oft geben die Leute auch Geschenke, wie Hühner oder Erdnüsse, um ihre Dankbarkeit auszudrücken.

Am Mittwoch sind wir in mehrere Orte gefahren, um verschiedene Schulinspektoren zu besuchen. Zu den Aufgaben der Schulinspektoren gehört die übergeordnete Koordination der Schulen, die in ihren Arbeitsbereich fallen. Ein Schulinspektor hat uns gesagt, dass sein Büro 36 Schulen bereut, die teilweise bis zu 70 km entfernt liegen. Am gleichen Tag haben wir an einem Bistro Halt gemacht, um mit einem Inspektor Hühnchen zu essen. Leider scheint mir das Essen nicht bekommen zu sein, denn noch am Abend habe ich Bauschmerzen und Fieber bekommen. Auch am nächsten Tag ging es mir noch nicht besser. Da ich aber am übernächsten Tag zumindest kein Fieber mehr hatte, war ein Krankenhausbesuch glücklicherweise nicht mehr notwendig. Während meines Aufenthalts nehme ich täglich das Malaria-Vorsorgemittel Malerone ein. Dennoch kann eine Erkrankung an Malaria nicht ausgeschlossen werden, weswegen Cesar sofort mit mir ins Krankenhaus fahren wird, sollte ich länger als einen Tag hohes Fieber haben.
Am Samstag ging es mir aber schon wieder einigermaßen gut, dennoch blieb ich zur Erholung noch Zuhause. Am Morgen des Sonntag ging ich zum ersten Mal mit Cesar und seiner Familie in die Messe. Das war wirklich schön. Es waren fast 300 Leute in der Messe und der Priester Abbé Jakob hat mich von Cesar vorstellen und willkommen heißen lassen. Die Messe war komplett auf Gurmantché, einer der vielen einheimisch Sprachen Burkina Fasos, die in Piéla am meisten vertreten ist. Obwohl ich dem Inhalt der Messe natürlich nicht folgen konnte, war es sehr schön dabei zu sein und der Gemeinde bei den Liedern unterstützt durch Trommeln und einer Sängerin zuhören. Im Anschluss der Messe haben uns einige Leute begrüßt und ich bin mit Cesar zu Abbé Jakob gegangen. Er hat uns von einigen aktuellen Problemen wie dem Mangel an Schulbänken in der kleinen Schule hinter der Kirche berichtet. Natürlich spricht Cesar mit den Leuten, die wir besuchen, entweder französisch oder gurmantché, daher kann ich meist nur wenig der Unterhaltung folgen und lasse mir von Cesar nachher immer eine kurze Zusammenfassung geben.
Die neue Woche haben wir mit einem Besuch des Haut-Commissaire, des Bürgermeisters, des Krankenhausdirektors und der beiden Schulinspektoren von Bogandé begonnen. Am nächsten Tag ging ich für einen Tag in den Kindergarten von Piéla. Dort gibt es zur Zeit nur eine Gruppe, die allerdings aus über 70 Kindern im Alter zwischen 3 und 6 Jahren besteht. Die Kinder waren total begeistert, einen Weißen zu Besuch zu haben und ich hatte die ganze Zeit eine Gruppe an Kindern um mich. Einer der beiden Kindergärtner hat mir an einem Laptop gezeigt, welches pädagogisches Programm sie für die Kinder vorbereitet haben. Ich werde wahrscheinlich leider keine Zeit haben, mir einmal anzusehen, wie eine Lehrstunde im Kindergarten abläuft. Am Mittwoch bin ich mit Joseph, dem Sohn eines Verwandten von Cesar, in Piéla einkaufen gegangen. Neben der Arbeit für die Cuo Fi hat Cesar natürlich noch seine eigene Arbeit in Piéla, wo er im Büro des Schulinspektors arbeitet. Daher habe ich manchmal den Vormittag frei und gehe dann z.B. in die Innenstadt von Piéla, die nur wenige 100 m von Cesar's Haus entfernt ist. Es gibt in Piéla viele kleine Straßenläden, bei denen z.B. Gemüse, Obst, Taschen, Schuhe oder frisch gegrilltes Hühnchen gekauft werden kann. Viele der Stände, die zusammen den Markt bilden, haben nur alle 3 Tage geöffnet. Bei einem Stand habe ich mit Joseph Patates eingekauft, die Angeline später wie Pommes zubereitet hat. Beim Einkauf der Patates habe ich auch zum ersten Mal eine Ratte hier gesehen, als diese schnell über einen der Reissäcke huschte.

Am Donnerstag war Cesar wieder arbeiten, deswegen fuhr ich zusammen mit Matthias und Joseph zu zwei Brunnen in Piéla und dem nahe gelegenen Noali. Die Brunnen sind beide in gutem Zustand und man kann mit relativ wenig Kraftaufwand viel klares Wasser an die Oberfläche befördern. Ich mache ein paar Bilder, während sich Matthias mit den Leuten auf Gumanché unterhält. Wieder zurück am Haus fährt Matthias auf seinem Moped zu sich, während Joseph und ich nochmal einen Rundgang durch die Stadt machen. Ich gebe mehreren Kindern Luftballons und Joseph meint, ich werde die nächsten Tage nicht mehr durch die Stadt gehen können, ohne nach Luftballons gefragt zu werden. An einem Stand kaufe ich mir zwei kleine gelbe Früchte, die sich mir später als Melonen präsentieren. Jetzt im November gibt es nur eine relativ kleine Auswahl an Früchten und Gemüse, aber Cesar meint, dass es ab Dezember wieder viel geben wird. Den Freitag hat Cesar sich wieder frei genommen, um gemeinsam mit Etienne und mir die Partnerschule der Marienschule Euskirchen in Sekuantou zu besuchen. Zur Zeit besuchen ca. 250 Schüler die Schule und es gibt 4 Klassen. Wir gucken uns die von der Partnerschaft gebauten Gebäude an und setzen uns mit dem Schulleiter und den drei Leuten der Elternpflegschaft zusammen, um über aktuelle Probleme zu sprechen. Wir notieren uns, dass zur Zeit noch zu wenige Schulbänke da sind und dass das Schulessen für die Familien ein Problem ist. Bei dem Besuch der Klassenräume kann ich mir ein Bild davon machen, wie eingeengt die meisten Schüler auf den Sitzbänken sitzen. Das Schulessen ist insofern ein Problem, dass es in der Schule im Jahr nur für etwa 8 Monate Geld für Schulessen gibt und die Schulküche daher gerade kein Essen kochen kann. Für viele Familien ist es ein Problem, ihre Kinder von morgens früh bis nachmittags zur Schule zu schicken und ihnen dazu noch Essen mitzugeben. Leider haben dieses Problem fast alle Schulen. Wir bitten den Schulleiter, dass er uns eine Kalkulation der benötigten Nahrungsmittel erstellt und fahren nach einer kurzen Verabschiedung der Schüler wieder zurück nach Piéla.
Am Samstag fahren Cesar und ich nach Gori um mehre Patenkinder und ihre Familien zu treffen. Ich habe einen kleinen Fragebogen dabei, den ich zusammen mit jedem Patenkind ausfülle. Anschließend mache ich jeweils ein Bild von dem Patenkind und ein gemeinsames Bild mit den Geschwistern. Als wir mit allen vier Patenkindern in Gori gesprochen haben, fahren Cesar und ich wieder. Aber nicht, ohne uns von der großen Gruppe an Kindern zu verabschieden, die unserem Auto hinterherrennt. Später am Tag fahren wir auf das Feld von Abbé Jakob, um ihm bei der Ernte der Erdnusspflanzen zu helfen. Da die Arbeiter bei unserer Ankunft jedoch schon fertig sind, unterhalten wir uns nur kurz mit einer Familie und fahren anschließend wieder nach Hause, wo wir uns für die Abendmesse frisch machen. Die Abendmesse ist ganz auf französisch und es sind viele Schüler aus den naheliegenden Schulen dabei.
Den darauffolgenden Sonntag nutze ich dazu, etwas an meinem Bericht zu schreiben und bei einem Materialtransport zu helfen. Nicht wenige Leute müssen lachen, als sie mich da beim Rückweg zusammen mit Joseph auf dem kleinen Eselskarren sitzen sehen.
Gestern bin ich zusammen mit Cesar, Angeline und Tony über die Piste in das etwa 160 km entfernte Gayeri gefahren. Angeline musste ein Papier unterschreiben lassen und Cesar und ich sind Patenkinder besuchen gegangen. Leider konnten wir nur zwei Patenkinder ausfindig machen. Im Anschluss sind wir zum Polizeiprefäkten gefahren und haben bei der Familie des Bruders von Angeline eine Rast eingelegt. Das Essen – Couscous mit Hühnchen in Tomatensauce – war sehr lecker, den Nachtisch – Hühnchen – habe ich jedoch lieber weggelassen. Was ich definitiv in super Erinnerung behalten werde ist der uns gereichte selbstgemachte Saft der Früchte des Baubab-Baumes (Pein des Singe Früchte) und der Früchte Les Feuilles des Bisab. Um zwei Uhr Mittag haben wir uns schließlich wieder auf den Rückweg gemacht. So wie wir am Morgen das Aufgehen des Sonne beobachten konnten, war es jetzt bei der Rückfahrt das Untergehen der Sonne. An diesem Abend sind wir schließlich alle geschafft ins Bett gegangen.

Für heute steht wieder ein Brunnenbesuch an. Ich hoffe, ich kann mich bald wieder mit Neuigkeiten melden.

Viele Grüße auf Piéla! 

Lorenzo

Die Kinder aus dem Dorf Gori Geerntete Hirse und Sesam Der Brunnen bei Noali Ein Baobab-Baum Besuch bei der Familie des Mädchens, das gerne das Mädchenwohnheim besuchen möchte