Berichte von 11/2016

Reisebericht die Zweite

30Nov2016

 

Reisebericht

 

30.11.2016

Teil 2:

 

Am heutigen Tag sind wieder 8 Tage seit meinem letzten Bericht vergangen – und ich kann wieder einiges Neues berichten!

Den Brunnenbesuch am letzten Dienstag mussten wir auf den Abend verschieben, da Cesar bei seiner Arbeit viel zu tun hatte. Am nächsten Tag hat mich Cesar zu der Schule Piéla A gefahren. Der Schuleiter ist sehr nett und hat mir nach einer herzlichen Begrüßung durch eine Schulklasse in seinem Büro seine tägliche Arbeit erklärt. Anschließend bin in eine der Klassen gegangen und habe mir eine Unterrichtsstunde angehört. Den Unterricht hat sich ein Lehrer mit einem Referendar geteilt. Außerdem saßen zwei weitere Referendarinnen, zeitweise mit Baby auf dem Arm, im hinteren Teil des Klassenraumes. Während des Unterrichts sind die Referendarinnen dann beim Leseunterricht durch die Reihen gegangen und haben Schülern geholfen dem Gehörten zu folgen und haben Ermahnungen ausgesprochen. Während meiner Schulbesuche habe ich leider auch ein paar Mal gesehen, wie ein Lehrer einem Schüler mit der Hand oder einem kleinen Ast ein Klaps auf den Hinterkopf gegeben hat. Allerdings ist das Schlagen der Schüler auch hier streng verboten. In der Unterrichtsstunde, die ich an dem Tag besuchte, wurden Texte auf französisch gelesen und anschließend wurde gerechnet. Am Nachmittag bin ich zusammen mit Matthias auf seinem Motorrad durch Piéla gefahren und wir haben Patenkinder besucht.

Auch am nächsten Tag bin ich zur Schule Piéla A gefahren und habe im Anschluss wieder mit Matthias und diesmal auch mit Etienne Patenkinder besucht. Cesar war für 2 Tage in das 160 km entfernte Fada gefahren, um sich dort mit Vertretern der GIZ zu treffen, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Am Freitag bin zur Schule Piéla C gefahren. Dort habe ich mir drei Unterrichtsstunden angeguckt. Die Schule beginnt um 7:15 und geht geht mit zwei größeren Pausen bis 16:00 Uhr. Wie die Schule Piéla A ist die Schule Piéla C eine École Primare, die mit einer Grundschule in Deutschland mit sechs Stufen vergleichbar ist. Schaffen die Schüler den Abschluss, können sie das College besuchen, dass sich aus vier Stufen zusammensetzt. Zum erfolgreichen Abschluss schreiben die Schüler das BPC Examen. Durch das Erreichen einer bestimmten Punktzahl können sie die noch notwendigen drei Stufen bis zum Abitur absolvieren. Damit geht die Schulzeit über insgesamt 13 Jahre, wenn man keine Stufe wiederholen muss. Nach dem Abitur müssen die jungen Leute zum studieren in eine der großen Städte fahren. Allerdings ist die Fächerauswahl der Universitäten wesentlich kleiner als bei uns. Die meisten Studenten wählen als Fächer Medizin, Lehramt, Jura oder Agrarwissenschaften. Viele junge Leute wählen auch eine Ausbildung, beispielsweise bei der Polizei.

Am Freitag Abend sind wir zu einem Schulgelände in der Nähe des Rathauses gefahren, um bei den Vorbereitungen für das morgige Fest zu helfen. Der Anlass des Festes ist die offizielle Einweihung des neuen Bürgermeisters von Piéla. Als Gäste sind auch einige hochrangige Minister von Burkina Faso eingeladen. Wie wir am nächsten Tag sehen können, ist auch das Fernsehen vertreten, das in den nationalen Nachrichten einen Bericht zu dem Fest ausstrahlt. Am Morgen sind wir also direkt nach dem Frühstück auf das Festgelände gefahren, da der Beginn auf 9 Uhr angesetzt ist. Als es zwei Stunden später dann wirklich losgeht, ist das Gelände voller Menschen, die um einen großen Platz sitzen oder stehen. In der Mitte des Platzes ist ein kleines Rednerpult aufgebaut. Ich sitze zwei Reihen hinter Cesar in dem großen Zelt, in dem auch die Minister sitzen. Das Programm besteht auf verschiedenen Reden, von denen auch Cesar eine hält. Zwischen den Reden gibt es immer wieder Auftritte von kleineren Musikgruppen. Meist bestehen die Gruppen aus 4 bis 5 Instrumentenspielern und einem Sänger oder einer Sängerin. Hier ist es Tradition, dem Sänger während des Auftritts Geldscheine zu geben oder ihn sogar regelrecht damit zu bewerfen. Gab jemand sehr viel Geld war das Ganze von Jubelrufen aus der Menge begleitet. Da die wenigsten Gruppen wieder aufhören wollten zu spielen, gingen die Spieler nicht selten erst wieder, als ihre Mikros stumm gestellt wurden. Das war schon wirklich ein Spektakel. Welche Showeinlage mir und den Zuschauern jedoch am besten gefallen hatte, war der Auftritt einer sehr traditionell gekleidete Tanzgruppe aus der nicht weit entfernten Stadt Zorgo. Den Abschluss des Festes bildete das Überreichen des Bürgermeistergürtels an den neuen Bürgermeister von Piéla. Direkt im Anschluss des Fests ging es zum gemeinsames Essen in ein entferntes Festzelt. Das Essen war für alle kostenlos, aber es gab scharfe Kontrollen am Eingang, damit keine Kinder und nicht zu viele Leute reinkamen. Das Essen war traditionell und schmeckte sehr gut. Es war aber wirklich etwas Neues, gleich ganze Badewannen mit Reis- oder Hirsegerichten gekocht zu sehen.

 

Am darauffolgenden Sonntag ging es dann überraschenderweise schon zum nächsten Fest. In der Schule von Kouri wurden an diesem Tag die besten Schüler des Jahres geehrt. Die Feier war ganz ähnlich wie das gestrige Fest, nur im Kleinformat. Es gab ebenfalls Reden, die von Musikgruppen begleitet waren. Außerdem bekamen die besten Schüler Geschenke überreicht. Leider war die Tonanlage in einem noch schlechteren Zustand als beim letzten Fest und es mussten immer wieder die Mikros gewechselt werden. Wenn ich wieder in Deutschland bin, will ich auf jeden Fall mal schauen, ob ich nicht irgendwo ein paar Mikros organisiert bekomme. Der neue Bürgermeister war auch anwesend und bei seiner Vorstellung der Gäste ließ er netterweise auch mich nicht aus. Für mich vollkommen Neu war die Begleitung des Festes von der Bürgerwehr, die in vielen Dörfern zum Schutz der Menschen vertreten ist und während des Festes mit Gewehren über den Platz patrouillierte. Auch bei dieser Feier gab es direkt im Anschluss wieder ein gemeinsames Essen. Dieses dauerte jedoch nicht lange und bald darauf verließen alle wieder den Platz. Am Ausgang standen, wie schon beim letzten Essen, eine Gruppe von Frauen und Kindern. Ich vermute, dass sie in der Hoffnung warteten, noch etwas von dem Essen zu bekommen.

Den Montag habe ich fast den ganzen Tag auf dem Feld von Matthias verbracht, um ihm bei der Erdnussernte zu helfen. Ich fand es sehr schön, einmal wirklich mit den Leuten vor Ort zu arbeiten. Matthias zeigte mir auch sein Hirsefeld, auf dem er arbeitet, seit sein Vater kurz nach seinem 15sten Geburtstag starb. Den Großteil der Arbeit an diesem Tag bestand darin, sich auf den Boden setzen und die Erdnüsse von den bereits aus der Erde geschlagenen Pflanzen zu lösen. An sich war das nicht besonders anstrengend, allerdings ist es doch etwas anderes, im 40° heißen Sonnenschein zu arbeiten. Bei der Gelegenheit bin ich auch mit einem guten Sonnenbrand wieder nach Hause gefahren. An diesem Abend wurde ich dann zum farbigen Mann erklärt.

Der gestrige Tag habe ich wieder geschrieben und den Markt von Piéla besucht. Am Abend haben wir das Mädchenwohnheim besucht, um kurz mit den Schülerinnen dort zu sprechen und zwei Kanister Öl für die Küche mitzubringen.

Heute morgen mussten wir den Besuch beim Präfekten kurzfristig verschieben, da durch ein Unglück die Küche der Schule Piéla A in der letzten Nacht bis auf die Mauern abgebrannt ist. Wir müssen die nächsten Tage schauen, was wir da jetzt machen können. Später am Vormittag besuchten wir dann den Präfekten und danach ging ich auf dem Markt um mit Matthias Hilfe eine Hose von mir zu reparieren und im Anschluss etwas einzukaufen. Am Abend fuhr ich mit Cesar zu einem Treffen mit dem Direktor des Lycée de Piéla, das sich als eine Sitzung mit mehreren Lehrern und einem Schulkomitee herausstellte. Wie nach so einem Treffen üblich, wurden wir im Anschluss in ein Bistro eingeladen und konnten uns erst nach der gemeinsam gegessenen Hühnersuppe wieder loseisen.

Für diese Woche noch geplant sind ein Besuch beim Bürgermeister und die Begleitung einer Deutschstunde im Lycée de Piéla. Darauf freue ich mich wirklich.

 

Viele herzliche Grüße nach Deutschland!

 

Schulbesuch in Piéla C  Tanzgruppe Warba de Zorgo auf dem Fest Fest des Bürgermeisters Schulfest in Kouri Eine Trommelgruppe mit zwei Tänzern auf dem Schulfest von KouriErdnussernte Ein schöner Abend mit Cesar, seiner Familie und Matthias

 

Meine Ankunft in Piéla und die Ersten Eindrücke

22Nov2016

 

Reisebericht - Teil 1

 

22.11.2016

 

Am heutigen Montag wohne ich nun schon seit über 2 Wochen bei Cesar und seiner wunderbaren Familie in Piéla. Dass ich mich erst jetzt melde tut mir sehr leid, aber wir hatten (und haben immer noch) Probleme mit der Internetverbindung. Vor nun schon genau 19 Tagen bin ich am 03.11.16 um 16:30 gut in der Landeshauptstadt Ouagadougou gelandet! Neben einer enormen Welle an Hitze waren es Cesar und die Cuo Fi Mitglieder Matthias und Etienne, die mich am Ausgang des kleinen Flughafens herzlich empfingen. Zusammen sind wir erst einmal in unsere Herberge gefahren. Auf der Fahrt konnte ich ein ersten Eindruck von dem Land und den Menschen gewinnen. Ich hatte mir zwar fest vorgenommen, schon vom kleinen Fester des Flugzeuges möglichst viel zu beobachten, aber auf der Höhe von Mali muss ich wohl eingeschlafen sein – denn als ich aufwachte waren wir schon am Boden und ich musste mich damit zufriedengeben, eine möglicherweise spektakuläre Landung verpasst zu haben. Die Autofahrt durch die Straßen von Ouagadougou verlief problemlos. Allerdings sorgten das bunte Treiben an den Straßenrändern und das Durcheinander an Autos, Mopeds, Motorrädern und Fahrrädern auf den teilweise sehr alten Straßen für einiges Staunen meinerseits und damit zur Belustigung meiner Begleiter. Nach einer kurzen Rast in unserer Herberge haben wir den Abend in einem kleinen Restaurant ruhig ausklingen lassen, dass auch schon Uli bei seiner letzten Reise besucht hatte.
Für den nächsten Tag stand gleich um 10 Uhr der Besuch bei der deutschen Botschaft an. Leider war der deutsche Botschafter verhindert, daher habe ich mich mit einem burkinischen Vertreter getroffen. Er war sehr nett und ich habe ihm kurz die Pläne für meinen 3-monatigen Aufenthalt in Piéla beschrieben. Direkt im Anschluss des kurzen Treffens bin ich zusammen mit Cesar, Matthias und Etienne zu der afrikanischen Kunstmesse SIA gefahren, die zufälligerweise noch wenige Tage geöffnet hatte. Es war sehr schön, gleich zu Beginn meines Aufenthaltes die Gelegenheit zu haben, Kunstobjekte, Kleidung und Spezialitäten aus verschiedenen Regionen Afrikas sehen zu können. Im Anschluss sind wir erneut im bekannten Restaurant eingekehrt, bei dem es an diesem Abend zufälligerweise von einer kleinen Gruppe gespielte Livemusik gab.
Am nächsten Tag stand nach einem kurzen französischen Frühstück der Einkauf im Supermarkt an. Ausgestattet mit 2 Einkaufswagen sind wir die Regalreihen abgeklappert und haben alles eingeladen, von dem wir uns gedacht haben, dass es wichtig sein könnte und für mindestens 2 Monate reichen würde. Wir haben schließlich ca. 100.000 CFA bezahlt, was umgerechnet etwa 150 Euro sind. Die meisten Produkte des Supermarktes sind aus Europa, aber die Preise sind etwas höher als in Deutschland. Ich habe später festgestellt, dass viele Sachen, von denen ich einen deutlich geringeren Preis als in Europa erwartet hätte, fast ebenso teuer wie in Deutschland sind. So kosten Schulutensilien und Büromaterial teilweise sogar mehr als bei uns. Im Anschluss des Einkaufs sind wir zu einem Cousin und zu einem Freund von Cesar gefahren, wo Cesar eine Matratze für mich und ein Sofa für sich und seine Familie gekauft hat. Bei Unserer Herberge haben wir schließlich die Einkäufe, die Matratze, das 4-Teilige Sofa und meine beiden Koffer in und – vor allem auf – das Auto geladen. Gegen Mittag haben wir uns dann mit vielen Spannseilen um das Auto auf die Reise nach Piéla gemacht. Wie Uli in seinem Reisebericht schon beschrieben hatte, ist die Piste nach Piéla voller Schlaglöcher und wir haben für die 240 km schließlich 6 Stunden gebraucht. Ich habe die Fahrt jedoch in schöner Erinnerung, da sich viele Menschen gefreut haben, als wir vorbeigefahren sind und ich viel von der Landschaft sehen konnte. Jetzt im November sieht man noch einige grüne Bäume und Büsche. Da die Regenzeit jedoch im September endet, ist es, abgesehen von wenigen Seen, in der Region um Piéla sehr trocken und überall ist der rötlichen Sand, der einem schnell in die Kleidung zieht. Ich hoffe ich schaffe es, ein paar Bilder dazu hochzuladen. Auf etwa der Hälfte der Strecke legten wir eine kurze Rast bei dem Bistro eines Freundes von Cesar ein. An diesem Tag habe ich zum ersten Mal Hahn gegessen. Es schmeckte sehr gut, allerdings habe ich aus Vorsicht vor dem ungewohnten Essen die Füße und den Kopf des Hahns ausgelassen. Um halb 10 sind wir schließlich in Piéla beim Haus von Cesar angekommen. Wir wurden sofort stürmisch begrüßt und ich konnte endlich Cesars Frau Angeline und drei seiner vier Kinder kennenlernen: Die 7-jährige Wendy (Wend-Yam), den 4-jährigen Arthur (Jemael Arthur)und den erst 2-monate alten Tony (Tony Benito). Nach einem gemeinsamen Abendessen mit Matthias und Etienne konnte ich schließlich glücklich die erste Nacht in meinem neuen Zuhause verbringen. Den nächsten Tag haben wir schließlich ganz der Gemütlichkeit gewidmet und im Haus verbracht. Es kamen an diesem Tag gleich mehrere Freunde von Cesar und seiner Familie zu Besuch und ich sollte auch im Laufe der kommenden Woche feststellen, dass spontaner Besuch keinesfalls ein seltenes Vorkommen, sondern alltäglich im Hause Beogo ist. Die neue Woche haben wir mit einem Besuch der Schuldirektoren der Schulen Piéla A, Piéla C, Piéla E und dem Lycée de Piéla begonnen. Am Abend habe ich zum ersten Mal alle Mitglieder der Cuo Fi kennenlernen können. Sie haben für meine Ankunft eine Sondersitzung abgehalten, in der sie mich feierlich willkommen hießen und in der wir die Pläne für die nächsten 2 Wochen machten. Allerdings haben wir später immer wieder Termine verschieben oder tauschen müssen. Schon den nächsten Tag haben wir kurzfristig umgeplant, um zusammen mit dem Schulinspektor und Schulpädagogen von Piéla zu der Familie eines Mädchens zu fahren und dem Familienvater zu erklären, dass seine Tochter im Mädchenwohnheim am besten aufgehoben ist. Ich habe schnell gemerkt, dass hier Afrika Zeit eine andere Rolle spielt und das miteinander Sprechen für die Menschen sehr wichtig ist. Oft geben die Leute auch Geschenke, wie Hühner oder Erdnüsse, um ihre Dankbarkeit auszudrücken.

Am Mittwoch sind wir in mehrere Orte gefahren, um verschiedene Schulinspektoren zu besuchen. Zu den Aufgaben der Schulinspektoren gehört die übergeordnete Koordination der Schulen, die in ihren Arbeitsbereich fallen. Ein Schulinspektor hat uns gesagt, dass sein Büro 36 Schulen bereut, die teilweise bis zu 70 km entfernt liegen. Am gleichen Tag haben wir an einem Bistro Halt gemacht, um mit einem Inspektor Hühnchen zu essen. Leider scheint mir das Essen nicht bekommen zu sein, denn noch am Abend habe ich Bauschmerzen und Fieber bekommen. Auch am nächsten Tag ging es mir noch nicht besser. Da ich aber am übernächsten Tag zumindest kein Fieber mehr hatte, war ein Krankenhausbesuch glücklicherweise nicht mehr notwendig. Während meines Aufenthalts nehme ich täglich das Malaria-Vorsorgemittel Malerone ein. Dennoch kann eine Erkrankung an Malaria nicht ausgeschlossen werden, weswegen Cesar sofort mit mir ins Krankenhaus fahren wird, sollte ich länger als einen Tag hohes Fieber haben.
Am Samstag ging es mir aber schon wieder einigermaßen gut, dennoch blieb ich zur Erholung noch Zuhause. Am Morgen des Sonntag ging ich zum ersten Mal mit Cesar und seiner Familie in die Messe. Das war wirklich schön. Es waren fast 300 Leute in der Messe und der Priester Abbé Jakob hat mich von Cesar vorstellen und willkommen heißen lassen. Die Messe war komplett auf Gurmantché, einer der vielen einheimisch Sprachen Burkina Fasos, die in Piéla am meisten vertreten ist. Obwohl ich dem Inhalt der Messe natürlich nicht folgen konnte, war es sehr schön dabei zu sein und der Gemeinde bei den Liedern unterstützt durch Trommeln und einer Sängerin zuhören. Im Anschluss der Messe haben uns einige Leute begrüßt und ich bin mit Cesar zu Abbé Jakob gegangen. Er hat uns von einigen aktuellen Problemen wie dem Mangel an Schulbänken in der kleinen Schule hinter der Kirche berichtet. Natürlich spricht Cesar mit den Leuten, die wir besuchen, entweder französisch oder gurmantché, daher kann ich meist nur wenig der Unterhaltung folgen und lasse mir von Cesar nachher immer eine kurze Zusammenfassung geben.
Die neue Woche haben wir mit einem Besuch des Haut-Commissaire, des Bürgermeisters, des Krankenhausdirektors und der beiden Schulinspektoren von Bogandé begonnen. Am nächsten Tag ging ich für einen Tag in den Kindergarten von Piéla. Dort gibt es zur Zeit nur eine Gruppe, die allerdings aus über 70 Kindern im Alter zwischen 3 und 6 Jahren besteht. Die Kinder waren total begeistert, einen Weißen zu Besuch zu haben und ich hatte die ganze Zeit eine Gruppe an Kindern um mich. Einer der beiden Kindergärtner hat mir an einem Laptop gezeigt, welches pädagogisches Programm sie für die Kinder vorbereitet haben. Ich werde wahrscheinlich leider keine Zeit haben, mir einmal anzusehen, wie eine Lehrstunde im Kindergarten abläuft. Am Mittwoch bin ich mit Joseph, dem Sohn eines Verwandten von Cesar, in Piéla einkaufen gegangen. Neben der Arbeit für die Cuo Fi hat Cesar natürlich noch seine eigene Arbeit in Piéla, wo er im Büro des Schulinspektors arbeitet. Daher habe ich manchmal den Vormittag frei und gehe dann z.B. in die Innenstadt von Piéla, die nur wenige 100 m von Cesar's Haus entfernt ist. Es gibt in Piéla viele kleine Straßenläden, bei denen z.B. Gemüse, Obst, Taschen, Schuhe oder frisch gegrilltes Hühnchen gekauft werden kann. Viele der Stände, die zusammen den Markt bilden, haben nur alle 3 Tage geöffnet. Bei einem Stand habe ich mit Joseph Patates eingekauft, die Angeline später wie Pommes zubereitet hat. Beim Einkauf der Patates habe ich auch zum ersten Mal eine Ratte hier gesehen, als diese schnell über einen der Reissäcke huschte.

Am Donnerstag war Cesar wieder arbeiten, deswegen fuhr ich zusammen mit Matthias und Joseph zu zwei Brunnen in Piéla und dem nahe gelegenen Noali. Die Brunnen sind beide in gutem Zustand und man kann mit relativ wenig Kraftaufwand viel klares Wasser an die Oberfläche befördern. Ich mache ein paar Bilder, während sich Matthias mit den Leuten auf Gumanché unterhält. Wieder zurück am Haus fährt Matthias auf seinem Moped zu sich, während Joseph und ich nochmal einen Rundgang durch die Stadt machen. Ich gebe mehreren Kindern Luftballons und Joseph meint, ich werde die nächsten Tage nicht mehr durch die Stadt gehen können, ohne nach Luftballons gefragt zu werden. An einem Stand kaufe ich mir zwei kleine gelbe Früchte, die sich mir später als Melonen präsentieren. Jetzt im November gibt es nur eine relativ kleine Auswahl an Früchten und Gemüse, aber Cesar meint, dass es ab Dezember wieder viel geben wird. Den Freitag hat Cesar sich wieder frei genommen, um gemeinsam mit Etienne und mir die Partnerschule der Marienschule Euskirchen in Sekuantou zu besuchen. Zur Zeit besuchen ca. 250 Schüler die Schule und es gibt 4 Klassen. Wir gucken uns die von der Partnerschaft gebauten Gebäude an und setzen uns mit dem Schulleiter und den drei Leuten der Elternpflegschaft zusammen, um über aktuelle Probleme zu sprechen. Wir notieren uns, dass zur Zeit noch zu wenige Schulbänke da sind und dass das Schulessen für die Familien ein Problem ist. Bei dem Besuch der Klassenräume kann ich mir ein Bild davon machen, wie eingeengt die meisten Schüler auf den Sitzbänken sitzen. Das Schulessen ist insofern ein Problem, dass es in der Schule im Jahr nur für etwa 8 Monate Geld für Schulessen gibt und die Schulküche daher gerade kein Essen kochen kann. Für viele Familien ist es ein Problem, ihre Kinder von morgens früh bis nachmittags zur Schule zu schicken und ihnen dazu noch Essen mitzugeben. Leider haben dieses Problem fast alle Schulen. Wir bitten den Schulleiter, dass er uns eine Kalkulation der benötigten Nahrungsmittel erstellt und fahren nach einer kurzen Verabschiedung der Schüler wieder zurück nach Piéla.
Am Samstag fahren Cesar und ich nach Gori um mehre Patenkinder und ihre Familien zu treffen. Ich habe einen kleinen Fragebogen dabei, den ich zusammen mit jedem Patenkind ausfülle. Anschließend mache ich jeweils ein Bild von dem Patenkind und ein gemeinsames Bild mit den Geschwistern. Als wir mit allen vier Patenkindern in Gori gesprochen haben, fahren Cesar und ich wieder. Aber nicht, ohne uns von der großen Gruppe an Kindern zu verabschieden, die unserem Auto hinterherrennt. Später am Tag fahren wir auf das Feld von Abbé Jakob, um ihm bei der Ernte der Erdnusspflanzen zu helfen. Da die Arbeiter bei unserer Ankunft jedoch schon fertig sind, unterhalten wir uns nur kurz mit einer Familie und fahren anschließend wieder nach Hause, wo wir uns für die Abendmesse frisch machen. Die Abendmesse ist ganz auf französisch und es sind viele Schüler aus den naheliegenden Schulen dabei.
Den darauffolgenden Sonntag nutze ich dazu, etwas an meinem Bericht zu schreiben und bei einem Materialtransport zu helfen. Nicht wenige Leute müssen lachen, als sie mich da beim Rückweg zusammen mit Joseph auf dem kleinen Eselskarren sitzen sehen.
Gestern bin ich zusammen mit Cesar, Angeline und Tony über die Piste in das etwa 160 km entfernte Gayeri gefahren. Angeline musste ein Papier unterschreiben lassen und Cesar und ich sind Patenkinder besuchen gegangen. Leider konnten wir nur zwei Patenkinder ausfindig machen. Im Anschluss sind wir zum Polizeiprefäkten gefahren und haben bei der Familie des Bruders von Angeline eine Rast eingelegt. Das Essen – Couscous mit Hühnchen in Tomatensauce – war sehr lecker, den Nachtisch – Hühnchen – habe ich jedoch lieber weggelassen. Was ich definitiv in super Erinnerung behalten werde ist der uns gereichte selbstgemachte Saft der Früchte des Baubab-Baumes (Pein des Singe Früchte) und der Früchte Les Feuilles des Bisab. Um zwei Uhr Mittag haben wir uns schließlich wieder auf den Rückweg gemacht. So wie wir am Morgen das Aufgehen des Sonne beobachten konnten, war es jetzt bei der Rückfahrt das Untergehen der Sonne. An diesem Abend sind wir schließlich alle geschafft ins Bett gegangen.

Für heute steht wieder ein Brunnenbesuch an. Ich hoffe, ich kann mich bald wieder mit Neuigkeiten melden.

Viele Grüße auf Piéla! 

Lorenzo

Die Kinder aus dem Dorf Gori Geerntete Hirse und Sesam Der Brunnen bei Noali Ein Baobab-Baum Besuch bei der Familie des Mädchens, das gerne das Mädchenwohnheim besuchen möchte

 

Neues aus Piéla

14Nov2016

Guten Tag,

nachdem jetzt schon die ersten 10 Tage vorbei sind, zeichnet es sich ab, dass die Kommunikation via Blog auch in diesem Jahr nicht so einfach funktioniert. In der letzten Woche war es sogar schwierig per Telefon an Informationen zu kommen. Es gibt zur Zeit immer wieder Streiks bei den Telfongesellschaften, und dann ist es noch schwieriger durchzukommen. Lorenzo hat sich mittlerweile in Piéla gut eingelebt und schon viele Leute getroffen. Mitte der letzten Woche hatte er etwas Magenprobleme und leichtes Fieber, welches aber nach einem Tag wieder weg war. Angeline musste mit dem kleinen Tony nach Ouagadougou zum Kinderarzt, und war mehrere Tage unterwegs. 

Anbei ein Foto von Lorenzo im Kreis der Familie Beogo.  (Von Links: Cesar, Lorenzo, Wendy,Arthur und Angeline mit dem kleinen Tony)

Gruß

Uli

 

Lorenzo ist gut in Ouagadougou angekommen

03Nov2016

Hallo,

heute Morgen um 5:30 sind wir in Münstereifel in Richtung Brüssel gestartet. Ohne Stau und Stress  waren wir schon um 8:30 im Flughafen um einzuchecken. Lorenzo hat sich eben aus Ouaga gemeldet und schon von "1000 Eindrücken" berichtet. Der Flug war gut und morgen geht es um 10:00 (?) zum Botschafter. Anschließend Großeinkauf und dann 4 Stunden Autofahrt nach Piéla. 

Ich bin gespannt auf die Eindrücke die er dort gewinnt, schließlich wird er jetzt bis zum 28. Janur dort bleiben. 

Hoffentlich klappt es , dass er (ab Januar wir) direkt von dort berichten kann.

Ich wünsche euch wieder eine spannende Zeit mit unserem Reiseblog.

Bis demnächst 

Uli